Video: „Hüftprothese, Knieprothese – was geschieht rund um die OP?“
Gut informierte Patientinnen und Patienten gehen deutlich entspannter durch die ersten Wochen nach einer Gelenkersatz-Operation. Deshalb nehme ich mir Zeit, Ihnen die wichtigsten Aspekte rund um den Eingriff verständlich zu erklären.
Sie erfahren, wie wir Sie vor Krankenhauskeimen schützen, was am Tag der Operation genau passiert und wie sich die ersten Tage und Wochen nach dem Eingriff üblicherweise gestalten. Dieses Wissen gibt Sicherheit – und hilft Ihnen, aktiv und selbstbewusst in Ihre Genesung zu starten.
Nachdem wir gemeinsam einen Operationstermin festgelegt haben, findet ein ausführliches Gespräch mit den Anästhesisten statt. Dort werden Ihnen die möglichen Narkoseformen – Vollnarkose oder Spinalanästhesie – verständlich erklärt, inklusive aller Vorteile und Risiken. Um Ihr persönliches Narkoserisiko sicher einschätzen zu können, werden Ihre Vorerkrankungen, bisherigen Eingriffe und aktuellen Medikamente besprochen.
Bitte bringen Sie zu diesem Termin alle relevanten Unterlagen, Arztbriefe und Laborbefunde mit. Einige Basisuntersuchungen sind vor jedem Eingriff in Narkose erforderlich. Dazu gehören:
• Kleines Blutbild (Hämoglobin, Thrombozyten, Leukozyten)
• Blutgerinnung (Quick/INR, PTT)
• Elektrolyte (Kalium, Natrium, Calcium)
• Nierenwerte (Kreatinin, ggf. Kreatinin Clearance)
• Leberwerte (AST, ALT, Gamma GT)
• EKG, wenn Sie über 60 Jahre alt sind oder bekannte Herz Vorerkrankungen haben
Diese Untersuchungen dienen Ihrer Sicherheit und helfen dem gesamten Team, Sie optimal auf die Operation vorzubereiten.
Ihre Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Deshalb möchten wir mit größtmöglicher Zuverlässigkeit ausschließen, dass Sie als stationärer Patient unbemerkt Träger von MRSA (methicillin resistenten Staphylokokken) sind. Dieses Screening schützt Sie selbst ebenso wie die anderen operierten Patientinnen und Patienten in der LILIUM Klinik.
Da MRSA sich bevorzugt im Nasen und Rachenraum ansiedelt, entnehmen wir etwa zwei Wochen vor Ihrer Aufnahme Abstriche aus dem Nasenvorhof und dem Rachen. In der Regel geschieht dies direkt im Rahmen Ihres Narkose Vorgesprächs – für Sie also ohne zusätzlichen Termin.
In den allermeisten Fällen fällt der Abstrich negativ aus, und alles kann wie geplant stattfinden. Sollte jedoch ein bislang unerkannter MRSA-Befall nachgewiesen werden, kümmern wir uns gemeinsam darum, dass Sie vor der stationären Aufnahme vollständig saniert werden.
Diese Sanierung führen Sie bequem zu Hause durch. Sie umfasst:
• eine desinfizierende Nasensalbe,
• Gurgellösungen zur Keimreduktion im Rachen,
• antiseptische Ganzkörperwaschungen,
• sowie einen täglichen Wechsel von Bettwäsche, Handtüchern und Körperwäsche.
So stellen wir sicher, dass Sie optimal geschützt in Ihre Operation starten – und dass die LILIUM Klinik ein sicherer Ort für alle bleibt.
Nach der Operation lassen wir Sie mit Ihren Schmerzen nicht allein. Sie erhalten von Beginn an eine Kombination aus entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. Celecoxib oder Ibuprofen) und starken Schmerzmitteln, die gezielt auf die ersten postoperativen Tage abgestimmt sind. Diese Medikamente werden in regelmäßigen Abständen verabreicht, damit ein stabiler Wirkspiegel entsteht und Sie gar nicht erst in eine Schmerzspitze geraten.
Pflegekräfte und Ärzteteam fragen Sie immer wieder nach Ihrem persönlichen Schmerzempfinden. So können wir die Therapie jederzeit anpassen – mit zusätzlichen Infusionen, Injektionen oder Tabletten, wenn Sie sie brauchen. Ihr Wohlbefinden steht dabei im Mittelpunkt.
Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass die Schmerzen nach einem Hüftgelenksersatz überraschend gut tolerierbar sind und die Medikation bereits nach ein bis zwei Tagen reduziert werden kann. Nach einem kompletten Kniegelenksersatz können die Beschwerden etwas stärker sein und länger anhalten. Deshalb passen wir Ihre Schmerztherapie individuell an, damit Sie gut mobilisiert werden können und sicher in die Rehabilitation starten.
Auf sogenannte Schmerzkatheter verzichten wir bewusst. Sie können die Beinmuskulatur vorübergehend schwächen und dadurch die Mobilisation verzögern – und genau das möchten wir vermeiden. Unser Ziel ist, dass Sie so früh wie möglich wieder sicher auf die Beine kommen.
Nach einer Gelenkoperation ist ein wirksamer Schutz vor Thrombosen besonders wichtig. In der LILIUM Klinik setzen wir dabei auf ein Sicherheitskonzept, das sich seit vielen Jahren bewährt hat:
1. Kompression des Beines: Durch Anti-Thrombose-Strümpfe oder eine fachgerechte Wickelung wird der venöse Rückfluss unterstützt und das Risiko einer Gerinnselbildung reduziert.
2. Frühe Aktivierung und Mobilisation: Sobald es medizinisch sinnvoll ist, bringen wir Sie in Bewegung und dies oft schon am Abend des OP-Tags. Die Aktivierung der Wadenmuskelpumpe ist einer der wichtigsten natürlichen Schutzmechanismen gegen Thrombosen – und ein zentraler Baustein Ihrer Genesung.
3. Medikamentöser Thrombose-Schutz: Hier gilt es, Nutzen und mögliche Risiken sorgfältig abzuwägen. Klassisch wurde meist Heparin unter die Haut gespritzt. In den letzten Jahren haben sich jedoch Tabletten als ebenso sicher und deutlich komfortabler erwiesen. Deshalb erhalten Sie in der LILIUM Klinik einmal täglich mittags eine Thrombose-Schutztablette.
Nach aktuellen Leitlinien sollten die Maßnahmen konsequent fortgeführt werden:
• 4 Wochen nach einer Hüft-TEP
• 2 Wochen nach einer Knie-TEP
So stellen wir sicher, dass Sie bestmöglich geschützt sind – und gleichzeitig schnell und sicher wieder mobil werden.
Es gibt viele etablierte Mobilisationsprogramme wie Fast Track, Rapid Recovery oder Hip Stop. Sie sind gut durchdacht – haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie pressen alle Patientinnen und Patienten in ein starres Schema. Jeder Mensch erholt sich jedoch in seinem eigenen Tempo.
In der LILIUM Klinik mobilisieren wir Sie deshalb zügig, aber individuell. Wir orientieren uns an Ihrer persönlichen Verfassung, nicht an einer Schablone. Viele Patientinnen und Patienten machen ihre ersten Schritte bereits am Abend der Operation – sanft, begleitet und sicher.
Physiotherapie: persönlich, eng abgestimmt, täglich
Die LILIUM Klinik beschäftigt bewusst keine angestellten Physiotherapeuten. Stattdessen erhalten Sie von mir Rezepte, mit denen Sie eine geeignete Praxis beauftragen können. Die meisten meiner Patientinnen und Patienten werden von der Physiotherapiepraxis Vitova behandelt, die sich direkt im Klinikgebäude befindet. Die Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten in enger Abstimmung mit mir – ein großer Vorteil für Ihren Heilungsverlauf.
Als besonders wirksam hat sich folgende tägliche Kombination erwiesen (auch samstags): 30 Minuten Krankengymnastik, 20-40 Minuten Manueller Therapie, sowie 30 Minuten Lymphdrainage.
Diese intensive, individuell abgestimmte Betreuung unterstützt die frühe Mobilisation, reduziert Schwellungen und hilft Ihnen, schnell wieder Vertrauen in Ihr neues Gelenk zu gewinnen.
Ob eine ambulante oder stationäre Rehabilitation für Sie sinnvoll ist, hängt immer von Ihrer persönlichen Situation ab – sowohl medizinisch als auch im Alltag. Wir betrachten dabei Ihr häusliches Umfeld, das Ausmaß Ihrer Arthrose und die Art der Operation.
Jüngere Patientinnen und Patienten mit einer Hüft- oder Schlittenprothese kommen häufig sehr gut mit einer ambulanten Weiterbehandlung zurecht. Wer jedoch älter ist, viele Treppen zu Hause hat oder eine schwer erreichbare Physiotherapiepraxis, profitiert oft von einer stationären Reha, in der rund um die Uhr Unterstützung verfügbar ist.
Wir lassen Sie mit dieser Entscheidung nicht allein
Ganz gleich, welche Form der Rehabilitation für Sie am besten geeignet ist – wir kümmern uns um die Organisation.
• Stationäre Reha: Wir melden Sie direkt aus der LILIUM Klinik in der gewünschten Reha-Einrichtung an und stellen den Antrag bei den Kostenträgern. In den meisten Fällen gelingt ein nahtloser Übergang vom Krankenhaus in die Reha-Klinik, ohne Wartezeiten oder Unsicherheiten.
• Ambulante Reha: Wenn Sie zu Hause weiterbehandelt werden, begleite ich Sie persönlich in meiner ambulanten Sprechstunde. So bleibt die medizinische Betreuung durchgehend in einer Hand.
Unser Ziel ist, dass Sie sich sicher fühlen – medizinisch, organisatorisch und menschlich. Jede Reha-Form hat ihre Stärken, und wir sorgen dafür, dass Sie genau die Unterstützung erhalten, die zu Ihnen passt.